HiFi Röhrenverstärker im Test: Vollverstärker und Vorverstärker

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Wenn man 10 Besitzer von Plattenspieler nach ihrer Meinung zu etwas, den Plattenspieler betreffend fragt, bekommt man oft 10 verschiedene Meinungen.

Besonders auffällig ist das Phänomen beim Hifi-Zubehör und ganz besonders beim Röhrenverstärker.

Der Zwist darüber ob Transistorverstärker mit all ihren technischen Vorteilen besser sind oder ob es trotz unterlegener Technik und bauteilbedingter Verzerrung die Röhrenverstärker sind, ist bis heute ungeklärt.

In Kombination mit Plattenspieler kommen die Röhrenverstärker entweder als Vorverstärker oder auch als Vollverstärker zum Einsatz.

Alles weitere zum Thema Röhrenverstärker und die m.M.n. besten Geräte für Einsteiger erfahren Sie in diesem Artikel.

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Vorverstärker mit Röhren finden Sie später in diesem Artikel.

Ein kurzer Blick auf die Historie

Die Anfänge des Röhrenverstärkers sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu finden.

Zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten Elektronenröhren erfunden.

Die Elektronenröhre war damals das erst elektronische Bauteil, welches dazu in der Lage war elektrische Signale zu verstärken.

Diese grundlegende Entdeckung zog viele neue Erfindungen mit sich. Ende der 1940er Jahre wurde der Williamson-Versträker erfunden. Dieser wurde zu dieser Zeit als leistungsstarker Audioverstärker verwendet.

Der Röhrenverstärker, so wie er heute bekannt ist, ist ein Verstärker, welcher elektronische Signale mithilfe von Elektronenröhren verstärkt.

Dieses Prinzip findet häufig dort Anwendung, wo sehr niedrigfrequente elektronische Signale verstärkt werden müssen. Das größte Anwendungsgebiet, in dem der Röhrenverstärker heute noch verwendet wird, ist das Verstärken von Audiosignalen.

In den 1960er Jahren wurde schließlich der Transistor erfunden. Bei dem Transistor handelt es sich um ein elektronisches Halbleiterbauelement, welches ebenfalls elektrische Signale steuern und verstärken kann.

Da durch den Transistor viele Probleme gelöst werden konnten, die der Röhrenverstärker mit sich brachte, wurde die Elektronenröhre in vielen Erfindungen durch Transistoren ersetzt.

Heute werden fast ausschließlich Transistoren verwendet. Der Röhrenverstärker erfreut sich trotz seiner angestaubten Technik immer noch sehr großer Beliebtheit.

Nicht nur Gitarrenverstärker verwenden heute noch Elektronenröhren, sondern natürlich auch im Hi-Fi-Bereich sind sie immer noch zu finden.

Wie funktioniert der Röhrenverstärker?


In einem Röhrenverstärker sind Pentoden verbaut, welche für die Funktionsweise des Verstärkers zuständig sind. Diese Röhrenpentode besteht aus einer Kathode, einer Anode, einem Steuergitter, einem Schirmgitter und einem Bremsgitter.

Die Fließrichtung der Elektronen in der Pentode erfolgt von der Kathode zur Anode.

Vereinfacht beschrieben besteht die Kathode aus einem Draht und die Anode aus einem Auffangblech für die Elektronen. Das Steuergitter liegt zwischen der Anode und der Kathode und wird häufig durch ein Drahtgeflecht abgebildet. Diese ganze Konstruktion wird einem luftleeren Glaskolben umschlossen.

Wird der Draht an der Kathode nun erhitzt, werden Elektronen abgegeben. Da Elektronen negativ geladen sind, werden sie anschließend vom positiv geladenen Auffangblech an der Anode angezogen.

So entsteht ein Stromfluss.

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Dieser Stromfluss kann in der Pentode nur in eine Richtung erzeugt werden, da das Auffangblech nicht erhitzt wird und somit an der Stelle auch keine Elektronen freigesetzt werden.

Mithilfe des Steuergitters kann nun gesteuert werden, wie stark der Stromfluss innerhalb der Röhre ist.

Da sich das Steuergitter zwischen der Anode und der Kathode befindet, kann es Elektronen am Durchfluss hindern. Das Steuergitter ist bei angelegter Spannung ebenfalls negativ geladen. Je stärker diese Spannung ist, desto mehr Elektronen werden am Durchfluss gehindert. Da die Elektronen negativ geladen sind und das Drahtgeflecht des Steuergitters ebenfalls negativ geladen ist, werden die Elektronen abgestoßen.

Kleine Änderungen in der Spannung am Steuergitter haben so entsprechend große Auswirkungen auf den Stromfluss innerhalb der Röhre. Der Stromfluss innerhalb der Röhre stellt sozusagen das verstärkte Signal dar. Aufgrund dieser Eigenschaft eignet sich dieser Aufbau als Verstärker und wird deshalb auch heute noch sehr häufig im Hi-Fi-Bereich verwendet.

Das Schirmgitter befindet sich ebenfalls zwischen Anode und Kathode. Es dient zur Abschirmung des Steuergitters vom elektrischen Feld der Anode und es sorgt für eine konstante Spannung gegenüber der Kathode. Dies hat eine gleichmäßige Beschleunigung der Elektronen zu Folge. So werden Störungen durch ungewollte Änderungen im Elektronenfluss verhindert.

Das Bremsgitter liegt auch zwischen der Anode und der Kathode und hilft die langsameren Sekundärelektronen zurück zur Anode zu lenken. Bei niedriger Spannung würden diese Elektronen sich sonst von der Anode lösen und zurück zum Schirmgitter fließen. Dies hätte ungewollte Verzerrungen zur Folge.

Röhrenverstärker im Test

Eine kleine Warnung vorab, Röhrenverstärker können sehr schnell sehr kostspielig werden und gehören je nach Konstruktion und Hersteller zum absoluten High-End der HiFi-Welt.

Trotzdem gibt es einige Geräte, die qualitativ wie auch preislich besonders gut für Einsteiger oder auch Enthusiasten mit kleinem Geldbeutel geeignet sind.

Hinweis: Wenn Sie den Verstärker mit einem Plattenspieler ohne integrierten Vorverstärker betreiben wollen, achten Sie beim Kauf darauf, ob der Verstärker über einen Phonoeingang verfügt. Ist das nicht der Fall muss ein Vorverstärker nachgerüstet werden.

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Quellen: HiFi Test 02/2014, AUDIO 06/2010, AUDIO TEST 06/2018;

Röhrenvorverstärker Empfehlungen

Verstärker sind ein essentielles Bauteil jeder Anlage und neben den Vollverstärker gibt es natürlich auch Vorverstärker mit Röhren.

Vorverstärker werden gebraucht um das schwache Ausgangsignal des Plattenspieler zu verstärken, denn nicht jeder moderne Stereoverstärker hat einen Phonoeingang und nicht jeder Plattenspieler hat einen eingebauten Vorverstärker.

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Vorteile des Röhrenverstärkers

Trotz seines Alters besitzt der Röhrenverstärker einige Vorteile gegenüber seinen modernen Kollegen. Er wird von vielen Hi-Fi-Liebhabern geschätzt und auch namenhafte Hersteller bringen heute noch Röhrenverstärker auf den Markt.

Röhrenverstärker können durch ihr besonderes Aussehen als Dekoelement ein besonderes Stück Vergangenheit in die Wohnung bringen. Der Retrocharme ist für einige ein großer Aspekt, weshalb sie sich für einen Röhrenverstärker entscheiden.

Warmer und lebendiger Klang durch den Klirrfaktor

Der Klirrfaktor ist für viele ein positiver Aspekt des Röhrenverstärkers, denn er sorgt für einen wärmeren Klang.

Der Klirrfaktor beschreibt zusätzlich erzeugte Oberwellen. Diese Oberwellen stammen nicht aus dem vorliegenden Audiomaterial. Das Signal wird dabei linear verzerrt. Diese Verzerrung ist nur in der Amplitude und nicht in der Kurvenform messbar.

Dem Signal werden durch den Klirrfaktor also harmonische Obertöne hinzugefügt. Dies ist der Grund, warum der Klirrfaktor von vielen nicht als störend, sondern als positiver Aspekt des Röhrenverstärkers wahrgenommen wird.

Die Verzerrung, die durch den Klirrfaktor entsteht, passt immer zur Tonart.

Nachteile des Röhrenverstärkers

Die Erfindung des Röhrenverstärkers liegt nun schon einige Jahre zurück. In der Zeit wurde er weitestgehend durch Transistorverstärker ersetzt. Das liegt nicht an der kompakteren Bauweise, sondern auch an der Klangtreue, der geringeren Störanfälligkeit und dem niedrigeren Preis.

Dauerhafte Veränderung des Originalsounds

Was zum einen ein Vorteil des Röhrenverstärkers ist, ist auch einer seiner Nachteile. Die Verzerrung des Klangs, der aufgrund seiner Bauweise entsteht, sorgt dafür, dass der wahrgenommene Klang nicht mehr original ist.

Er mag für einige wärmer oder lebendiger klingen, aber es handelt sich dabei nicht um den Klang, den der Künstler für seine Werke gewählt hat.

Veraltete Technik sorgt für hohen Verschleiß

Im Vergleich zu einem Transistorverstärker benötigt der Röhrenverstärker im Betrieb nicht nur mehr Strom aufgrund seiner Bauweise, sondern ein Großteil des Stroms wird in Wärmeenergie umgewandelt und als Ableitwärme überhaupt nicht genutzt.

Die Bauteile des Röhrenverstärkers sind viel anfälliger. Durch eine regelmäßige Benutzung verändert sich der Klang des Verstärkers aufgrund des Verschleißes der Bauteile.

Außerdem muss sich der Draht an der Kathode einen Moment lang aufheizen, damit der Draht überhaupt Elektronen abgeben kann. Deshalb dauert es einen kleinen Moment, bis der Röhrenverstärker einsatzbereit ist.

Warum sind Röhrenverstärker im Hi-Fi-Bereich immer noch so beliebt?

Trotz all der genannten Nachteile erfreuen sich Röhrenverstärker gerade im Hi-Fi-Bereich immer noch großer Beliebtheit.

Das liegt zum einen an ihrem unvergleichlichen Retrocharme und zum anderen an ihrem besonderen Klang.

Viele Hersteller geben sich auch heute noch die Mühe die Verstärker besonders zu designen. So fallen moderne Röhrenverstärker häufig durch ihr extravagantes Aussehen auf. Viele Designs erinnern an eine längst vergangene Zeit, die ihre Besitzer in Erinnerungen schwelgen lassen und dem Hi-Fi-Raum eine besondere Atmosphäre verpassen.

Der besondere Klang der Röhrenverstärker lässt sich durch seine baulichen Eigenheiten erklären. Auch wenn das Klangerlebnis nicht mehr dem Original entspricht, ist er für viele Hi-Fi-Liebhaber lebendiger.

Die harmonischen Verzerrungen und die zeitlichen Veränderungen sorgen auch klanglich für einen ganz besonderen Charme.

All diese Eigenschaften sorgen damit nicht nur für ein schönes Stück Nostalgie, sondern auch für einen einzigartigen Klang und manchmal auch für eine neue Sichtweise auf ein altbekanntes Musikstück.